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Handbuch Nahrungsergänzungen - Leseprobe und Inhaltsangabe


[Auszug aus dem "Handbuch Nahrungsergänzungen", herausgegeben von Klaus Arndt, Novagenics Verlag 1999]

Melatonin wurde 1994 in den USA als Nahrungsergänzung eingeführt. Das im menschlichen Körper natürlich vorkommende Hormon sollte frei von Nebenwirkungen sein, aber gegen viele Unpäßlichkeiten ebenso helfen, wie gegen ernsthafte Erkrankungen.

Melatonin (N­Acetyl­5­Methoxytryptamin) wird in der Zirbeldrüse des Gehirns unter Einfluß von Sonnenlicht aus der Aminosäure Tryptophan synthetisiert. Das Maximum der körpereigenen Produktion findet sich nachts zwischen 2 und 3 Uhr. Nach dem 30. Lebensjahr nimmt die Melatonin­Synthese im Körper beständig ab. Im Alter von 70 bis 80 Jahren wird fast nichts mehr von diesem Hormon produziert. Im Gegensatz zum Adrenalin, das aktivierend wirkt, entfaltet Melatonin eine beruhigende Wirkung: Die Herzfrequenz sinkt und der Muskeltonus nimmt ab. Daher findet Melatonin häufig Anwendung zur Bekämpfung von Schlafstörungen und zur erleichterten Umstellung auf andere Tagesrhythmen, wie z.B. bei Jet­Lag oder Schichtarbeit. Andere mögliche Einsatzgebiete von Melatonin werden ebenfalls diskutiert, z.B. bei Morbus Alzheimer, Depressionen, Morbus Parkinson oder zur Behandlung von Schlaganfällen, nach denen es zu einer Verarmung an Melatonin im Gehirn kommen kann [3].

Neben seiner Wirkung als MAO­Hemmer, die den Serotoninspiegel im Gehirn erhöht, zeigt Melatonin signifikante Auswirkungen auf die Blutfette. So konnten deutliche Rückgänge von Gesamtcholesterin und "schlechtem" LDL­Cholesterin bei Gabe von Melatonin beobachtet werden [3]. Weiterhin bekannt sind stark antioxidative Eigenschaften dieses Hormons. Da sehr viele degenerative Erkrankungen zumindest teilweise auf verstärkte Oxidierungsprozesse zurückgeführt werden (u.a. auch der Alterungsprozess), eröffnet sich dadurch ein breites Spektrum von Anwendungen; allerdings liegen in diesem Bereich noch viel zu wenig Ergebnisse vor, um eine Beurteilung zu erlauben. Im Tierversuch allerdings verlängerte die Gabe von Melatonin die Lebensspanne um 20% [3].

Der Kraftsportler profitiert bei Zufuhr von Melatonin als Nahrungsergänzung von seinem schlaffördernden Effekt, was zu einer besseren Regeneration beiträgt und durch die antioxidative Wirkung, da gerade das Training verstärkt zu oxidativen Prozessen im Körper führt. Zudem hat Melatonin eine cortisolhemmende, also antikatabole Wirkung, die insbesondere unter Streßbedingungen zutage tritt, da es eine erhöhte Sekretion von Vasotocin bewirkt [1, 2]. Aufgrund dieser Wirkung wäre langfristig eine Förderung des Muskelaufbaus denkbar, auch wenn dazu noch keine wissenschaftlichen Studien existieren. Obendrein konnten viele Studien eine erhöhte Wachstumshormon­Ausschüttung bei Gabe von Melatonin feststellen. Dies war zwar nicht bei allen, doch bei der überwiegenden Zahl der Untersuchungen der Fall [3]. Der Körper des jungen Athleten kann ausreichend Melatonin selbst herstellen; die körpereigene Melatoninproduktion wird allerdings gehemmt durch Aspirin und andere sog. nichtsteroidale Antirheumatika, Kaffee, Rauchen und Alkohol.

Melatonin gilt als ungiftige und nebenwirkungsfreie Substanz. Allerdings berichten manche, die es ausprobiert haben, von einer erhöhten Schläfrigkeit am nächsten Tag, gerade bei längerdauernder Einnahme (sog. "Überhang­Effekt"). Daher empfiehlt es sich, Melatonin nur abends, ca. 30 Minuten vor dem Schlafengehen einzunehmen, und dies auch nur für 3 bis 5 Tage pro Woche. Die übliche Startdosis beträgt 1mg; sie wird gesteigert, bis die gewünschte Optimierung der Schlafqualität erreicht wird (meist bei 3mg). Höhere Dosierungen, bis zu 6mg, werden für einige Tage zur Behebung des Jet­Lags oder bei Umstellungen in der Schichtarbeit verwendet.

Eine andere, wenn auch seltene Nebenwirkung von Melatonin scheinen Alpträume zu sein, auch bei solchen Leuten, die damit normalerweise keine Probleme haben. Einige Personen berichten von diesem Effekt schon bei den ersten Einnahmen, bei anderen stellt er sich zuweilen nach längerem Gebrauch ein. Das Auftreten von Alpträumen scheint mit steigender Dosis zuzunehmen.

Melatonin fällt in Deutschland unter das Arzneimittelgesetz, ist allerdings nicht zum Vertrieb zugelassen. Der Grund dafür ist eine bislang noch nicht nachgewiesene "Sicherheit" der Substanz. Die Zulassung als Arzneimittel (und damit ein legaler Vertrieb) in Deutschland wird aber aller Voraussicht nach nicht erfolgen, da die Substanz nicht mehr patentierbar ist. Deshalb wird wohl kein Pharma­Unternehmen die kostspielige und langwierige Zulassung beim Bundesgesundheitsamt anstreben.

Ein weiterer Grund für die auffällige Zurückhaltung vieler Pharma­Firmen in Bezug auf Melatonin mag wohl auch in dem Umstand zu suchen sein, daß das sehr preisgünstige und nebenwirkungsarme Melatonin für die Vielzahl sehr profitabler Schlafmittel auf dem deutschen Markt eine echte Konkurrenz darstellen würde. So stellt sich wieder einmal die Frage, was das deutsche Arzneimittelgesetz eigentlich schützt: Den zementierten Arzneimittel–Markt und die Profitmargen der Pharma­Unternehmen in Deutschland, oder den Verbraucher vor Nebenwirkungen und überhöhten Preisen. Aktuellen Schätzungen zufolge haben seit der Einführung von Melatonin etwa 40 Millionen Menschen in den USA die Substanz eingenommen; Nebenwirkungen, außer den zuvor beschriebenen, sind bislang nicht bekannt geworden.

Melatonin ist in den USA und im europäischen Ausland als Nahrungsergänzung erhältlich und kann dort per Mail­Order oder über das Internet bestellt werden. Bei Lieferungen aus dem EG­Ausland an private Verbraucher in Deutschland muß mit den üblichen Problemen gerechnet werden; zu empfehlen ist die Bestellung über eine Apotheke. Wer ganz sicher gehen will, legt dort ein Privatrezept vom Hausarzt vor. Die Einfuhrumsatzsteuer sollte bedacht werden, ebenso wie ev. fällige Zollgebühren.

[1] Aoyama H, Mori N, Mori W (1987) Anti­glucocorticoid effects of melatonin on adult rats. Acta Pathol Jpn 37: 1143–8

[2] Maestroni GJ, Conti A, Pierpaoli W (1986) Role of the pineal gland in immunity. Circadian synthesis and release of melatonin modulates the antibody response and antagonizes the immunosuppressive effect of corticosterone. J Neuroimmunol 13: 19–30

[3] Maurizi CP (1990) The therapeutic potential for tryptophan and melatonin: possible roles in depression, sleep, Alzheimer's disease and abnormal aging. Med Hypotheses 31: 233–42



Inhaltsverzeichnis - Handbuch Nahrungsergänzungen

Maßeinheiten und Abkürzungen

Vorwort

I. VITAMINE
• Fettlösliche Vitamine
• Vitamin A (Retinol, Beta Carotin) 12
• Vitamin D (Colecalciferol, Ergocalciferol)
• Vitamin E (Tocopherole)
• Vitamin K (Menaquinon, Phylloquinon)
• Wasserlösliche Vitamine
• Vitamin B1 (Thiamin)
• Vitamin B2 (Riboflavin)
• Vitamin B3 (Niacin)
• Vitamin B6 (Pyridoxin)
• Vitamin B12 (Dibencozid, Cobalamin)
• Vitamin B15 (Pangamsäure)
• Vitamin C (Ascorbinsäure)
• Vitamin B5 (Pantothensäure)
• Vitamin H (Biotin)
• Vitamin B9 (Folsäure)
• Multivitaminpräparate

2. MINERALIEN UND SPURENELEMENTE
• Natrium
• Kalium
• Calcium
• Phosphor
• Chlorid
• Magnesium
• Eisen
• Zink
• Kupfer
• Jod
• Selen
• Mangan
• Chrom
• Bor

3. ESSENTIELLE FETTSÄUREN
• Charakteristika der Fettsäuren
• Linol– und Linolensäure
• Anwendung der Fettsäuren

4. ANTIOXIDANTIEN
• Anwendung der Antioxidantien
• Alpha–Liponsäure
• Lycopin

5. STIMULANTIEN
• Ephedrin
• Coffein
• Mate

6. SUBSTANZEN MIT EINFLUSS AUF DEN HORMONSTOFFWECHSEL
• Tribulus terrestris
• Chrysin
• Guggulsterone
• Ipriflavon
• Clomiphen
• Cyclofenil
• Metformin
• Phosphatidylserin
• Gamma Hydroxybutarat (GHB)
• Gamma Aminobuttersäure (GABA)
• Ornithin Alpha Ketoglutarat (OKG)
• Drüsenextrakte
• Smilax Officianalis
• Beta Sitosterol
• Gamma Oryzanol
• Saw Palmetto
• Yohimbe

7. HORMONE UND PROHORMONE
• Melatonin
• Dehydroepiandrosteron (DHEA)
• Charakteristika der Prohormone
• 4–Androstendion
• 4–Androstendiol
• 5–Androstendiol
• 19–Norandrostendion/19–Norandrostendiol
• Anwendung der Prohormone
• Prohormone als Cyclodextrinkomplexe
• Die Kontroverse um Prohormone

8. NOOTROPIKA
• Piracetam
• Hydergin

9. DIVERSE LEISTUNGSSTEIGERNDE VERBINDUNGEN
• L–Glutamin
• Beta Hydroxy Methylbutarat (HMB)
• Clenbuterol
• Konjugierte Linolensäure (CLA)
• Glycerin
• Aspirin
• Inosin
• Coenzym Q10
• Johanniskraut
• Ginseng
• Eleutheroccocus senticosus
• Creatin
• Succinate
• Fructose
• Mittelkettige Triglyzeride (MCT)
• Ginkgo biloba
• Cholin/Lecithin
• Para–Aminobenzoesäure (PABA)
• Vanadylsulfat

10. PROTEINKONZENTRATE & WEIGHT GAINER
• Proteinkonzentrate
• Lactalbumin
• Casein
• Sojaprotein
• Eiprotein
• Meal Replacement Powder
• Weight Gainer<

ANHANG – PRÄPARATE


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